Wie doch die Zeit vergeht!
Die "älteren" Mitglieder in unserem Verein erinnern sich noch gut an die Zeit, als man die Proben in der Schafroth Kapelle in Arni abhielt.
Man kann sich vorstellen, dass die alten Holzbänke nicht gerade sehr komfortabel waren zum Musizieren, insbesondere in der kalten Jahreszeit.
Trotzdem fanden in der Kapelle viele gute Proben statt, und man erzählt sich Annektoten aus dem Schafroth Kappälleli...

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Lesen sie die Erinnerungen von Sara Moser....

 

Vor etwas mehr als 20 Jahren trat ich dem Posaunenchor als Jungbläserin bei. In meinen Anfangsjahren übten wir jeweils noch in der Kapelle Schafroth in Arni. An den Schafroth werde ich mich immer mit einem Lächeln erinnern. Akkustisch ein Albtraum für jeden Dirigenten, wunderschön gelegen und mit ein paar speziellen Eigenheiten ausgestattet. Unser Ur – Lokal hat uns zusammenrücken lassen und wir als Posaunenchor hatten eine gute Zeit dort.

Frühling:            „Schpriesse im Hosebode“

Möbliert war die Kapelle mit alten, wackligen Holzbänken, die keinerlei Rücksicht auf die Beschaffenheit unserer Rücken nahmen. Vor der Probe stellte sich jedes Register eine solche Holzbank zurecht. Es gab keine Diskussionen über zuviel oder zu wenig Platz, über Bläser in der vorderen Reihe, welche einem die Sicht auf den Dirigenten nahmen. Pro Register eine Bank – eng, unbequem und je nach Platz ohne Sichtkontakt zum Dirigenten! Schlimmer jedoch war der Umstand, dass man wirklich ruhig sitzen musste. Ungeduldig hin und her rutschen hatte nämlich auf den betagten Holzbänken zur Folge, dass man sich „Schpriessen im Hosenboden“ holte und das war äusserst unangenehm.

Sommer:            Rhabarbern am Schwitzen

Ein atemberaubender Anblick war die Fahrt zum Schafroth im Sommer. Die Kapelle inmitten wogender Getreidefelder – das Emmental wie zu Gotthelfs Zeiten! Und bereits Gotthelfs Bauern- und Landfrauen wussten aus den Erzeugnissen ihrer Gärten die Familien zu verwöhnen. Habegger Jakobs Hanna hatte in diesem Sommer wunderschöne Rhabarbern in ihrem Garten. Mit ihrer Schwägerin vereinbarte sie, dass Jakob einen Teil der Rhabarbern mit in die Musikübung nehmen und diese dann Simon geben sollte. Habegger Simon war alles andere als begeistert, als ihm Jakob die Rhabarbern gab! Wohin genau der Sack mit den Rhabarbern verschwand, wusste niemand so genau. Jedenfalls tauchte der Sack eine Woche später plötzlich wieder auf! Die Rhabarbern sahen nach der heissen Sommerwoche ziemlich mitgenommen aus und konnten unmöglich noch verarbeitet werden.

Herbst:             ein Es–Horn – alleine und verlassen

Rechts des Eingangs in der Kapelle hatte es einen Schrank, in welchem diverse Sachen gelagert wurden: Überzählige Gesangsbücher, alte Kollektensäckli, Kerzen usw. Eigentlich gab es darin nichts, was uns Posaunenchörler betroffen hätte ausser ………… ausser einem Es – Horn. Habegger Gottlieb nahm sein Instrument zu Beginn der Probe aus diesem Schrank, spuckte oder hauchte auf die Ventile (wenn sie im Winter eingefroren waren), musizierte und versorgte sein Es-Horn wieder im Schrank neben der Eingangstüre.

Winter:            Jungbläser/innen auf dem Ofenbänkli

Die Winter im Schafroth waren meistens streng. Der Wind zog eiskalt um und in die Kapelle und oft lag viel Schnee. Geheizt wurde mit einem Oelofen in der Mitte des Raumes. Die ersten Bläser, welche es durch Eis und Schnee in die bitterkalte Kapelle schafften, zündeten den Ofen an. In der ersten Stunde sassen die meisten mit Skijacken auf ihren Registerbänken, weil man gar nicht merkte, dass eigentlich geheizt wurde. Wir Jungbläser durften auf der Bank direkt neben dem Ofen sitzen und bekamen kurz vor Probenende doch noch etwas Wärme ab.

Bevor wir uns auf den Heimweg machen konnten, schaufelten unsere älteren Vereinsmitglieder in Teamarbeit zuerst noch die Autos aus dem verwehten Schnee. Diese „Wartezeit“ überbrückten wir Jungbläser mit Schneeballschlachten und Rutschpartien auf der eisbedeckten Strasse.

Jahreskonzert :             Es – Bassist konzertiert auf Karton

Bereits während der Vorprobe in der Arnisäge streikten plötzlich die Ventile unseres Es-Bassisten, welcher auch noch ein Solo spielen sollte. Kein Problem dachten sich alle, ein wenig Oel und die Ventile laufen wieder wie geschmiert. Zehn Minuten vor Konzertbeginn lief jedoch gar nichts mehr und Hektik kam auf. Nach einer extrem kurzen telefonischen Abklärung mit dem Instrumentenbauer die ernüchternde Diagnose. Die Filze der Ventile waren kaputt und natürlich hatte niemand Ersatz dafür. Irgendwo fand sich dann etwas Karton, welcher behelfsmässig auf die Ventile gebastelt wurde. Zwei Stunden später atmeten wir beim Applaus der Zuschauer erleichtert auf. Von unserem Publikum hatte niemand mitbekommen, dass Bernhard nicht auf Filz, sondern auf Karton musiziert und sicher dabei ab und zu ziemlich geschwitzt hatte.

Unsere Bassisten sind auch jetzt noch für Action an Konzerten verantwortlich ….:-)

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